Isst die zukunft Solidarisch?

Über die Potenziale lokaler und unabhängiger Ernährungssysteme

von John Marquart & Johannes Michaelis

Die Art und Weise, wie sich der Großteil der “westlichen” Bevölkerung ernährt, hat gravierende Auswirkungen auf Mensch und Umwelt anderenorts. Doch nicht nur in den hochentwickelten Industrieländern ist dies der Fall: Die Ernährungsfrage ist global. Denn der wachsende Wohlstand führt dazu, dass sich das Ernährungsverhalten weltweit verändert – auf Kosten zukünftiger Generationen und der Natur.

Während in Teilen der Welt völlig neue, exotische Lebensmittel auf den Markt kommen, kämpfen andere Regionen bereits heute mit Versorgungsknappheiten aufgrund von vermehrten Wetterextremen oder humanitären Krisen.

Klar ist, dass es neue Ansätze braucht, das Ernährungssystem umzugestalten. Wir glauben, dass es viele verschiedene Ideen braucht, primär auf (inter-)nationaler Ebene. Doch auch Ansätze von unten (bottom up) könnten für die Zukunft unserer Ernährungssysteme eine bedeutende Rolle spielen. Wir beschäftigen uns deshalb auf dieser Seite mit den Prinzipien der Solidarischen Landwirtschaft, um zu verstehen, ob lokale und unabhängige Versorgungsstrukturen die Art und Weise, wie sich die Stadt ernährt, nachhaltig beeinflussen können.

Basics

Bevor wir uns tiefer in die Materie stürzen, möchten wir zunächst ein Paar Begrifflichkeiten definieren: Das konventionelle Ernährungssystem, dass sich unserer Meinung nach enorm verändern muss. Die Imperiale Lebensweise, die sich derzeit global ausbreitet und einen immensen Ressourcenbedarf mit sich bringt. Die Solidarische Lebensweise, die einen möglichen Gegenansatz dazu liefert. Und natürlich die Solidarische Landwirtschaft, der wir eine größere Aufmerksamkeit im planerischen Bewusstsein wünschen.

Konventionelles System

Industrialisierung // Kapitalismus // Automatisierung // Profit // Umweltauswirkungen // Marktmacht

Imperiale Lebensweise

Stetiges Wachstum // Konsum // Externalisierung // Exklusivität // Ungleichgewicht

Solidarische Lebensweise

ILA-Kollektiv // Commoning // Sorge-Logik // Dependenz // Demokratisierung // Suffizienz

solidarische Landwirtschaft

Netzwerk // Unabhängigkeit // Transparenz // Solidaritätsprinzip // Qualität // Saisonalität

Fünf gute Gründe für die ernährungswende

Obwohl viele das globale Hungerproblem schon als besiegt gesehen haben, nimmt die Zahl der Weltweit Hungernden seit 2014 wieder zu. Hauptursache dafür sind die Folgen des Klimawandels, aber auch bewaffnete Konflikte und vielerorts das stagnierende Wirtschaftswachstum.

Heute sind 800 Millionen Menschen direkt vom Hunger betroffen. Besonders betroffen sind der afrikanische Kontinent und Teile Südamerikas.

Nicht nur zu wenig, sondern auch zu viel Nahrung wird zu einem immer größeren Problem. Mittlerweile sind laut WHO mehr als 1,9 Milliarden Menschen übergewichtig, davon sogar 600 Millionen fettleibig. Krankheiten wie Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen, die durch eine falsche Ernährung begünstigt werden, sind weltweit auf dem Vormarsch.

Zudem landen etwa 1/3 der weltweit produzierten Lebensmittel unverbraucht im Müll.

Die Rodung der Regenwälder, der massive Wasserverbrauch, der Eintrag giftiger Substanzen in die Ökosysteme, die Verdichtung und einseitige Nutzung der Böden – die Probleme sind genau so vielseitig wie bekannt. Und sie führen zu einem dramatischen Rückgang der Artenvielfalt, was wiederum die Stabilität der Ökosysteme gefährdet.

Gleichzeitig ist der Lebensmittelsektor für 40% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Die Rechnung ist einfach: Ohne Natur kann auch der Mensch nicht überleben.

Der Lebensmittelsektor ist für 30% des globalen Energieverbrauches (S.60) verantwortlich.

Während die Landwirtschaft früher ein “energieproduzierender Sektor” war, werden heute etwa 10-15 fossile Kalorien benötigt, um eine Nahrungsmittelkalorie herzustellen.

Für die Produktion von Lebensmitteln werden enorme Mengen endlicher Ressourcen aufgewandt.

Insbesondere Erdöl (S.60) ist für die in der Wertschöpfungskette benötigte Energie essenziel. Weite Transportwege und diverse Verarbeitungsschritte kurbeln den Verbrauch der begrenzten Ressource an.

Für die Herstellung synthetischer Düngemittel werden ebenfalls endliche Ressourcen in hohem Maße gefördert. Insbesondere Phosphor könnte in Zukunft knapp werden.

Zahlen und Fakten zum Konventionellen System

Hör mal, wonach solidarische landwirtschaft klingt.

Solidarische Landwirtschaft

Radiobeitrag im Freien Radio Kassel vom 05.02.2019.

Worum es geht

Im Rahmen des Projektes Stadt|Land|Ernährung = Hörbar machen haben wir  an einem Radiobeitrag gearbeitet, der am 05. Februar 2019 im Freien Radio Kassel gesendet wurde. In diesem Beitrag beleuchten wir die Probleme des Ernährungssystems, beziehen diese auf die imperiale Lebensweise und die konventionelle Lebensmittelproduktion, um anschließend einen Überblick über Solidarische Landwirtschaft und solidarische Lebensweisen zu geben. Außerdem zu entdecken gibt es Interviews mit Heidrun Hubenthal [ehemalige Professorin unseres Fachereiches] und Maura & Brigitte [Produzentinnen der SoLaWi Kassel], bevor wir versuchen, diese Erkenntnisse auf unsere Fachdisziplin, die Stadtplanung, zu übertragen.

fragen an daniel überall

Telefon-Interview mit Daniel Überall vom 05.02.2019.

Worum es geht

In einem weiteren Interview haben wir mit Daniel Überall über den Einfluss solidarischer Landwirtschaften auf Städte, die Zukunft der Landwirtschaft und das Kartoffelkombinat gesprochen. Daniel hat gemeinsam mit Simon Scholl das Kartoffelkombinat gegründet, eine solidarische Landwirtschaft im Westen Münchens, die mittlerweile mehr als 1.300 Ernteanteile pro Woche ausliefert.

To be continued...

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